Bürgerkulturpreis 2011 des Bayerischen Landtags
3. Preis: Energiewende Oberland EWO

Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland entstand 2005 aus der Agenda 21-Bewegung heraus, als klar wurde, dass das Thema Energie in Zukunft einen viel höheren Stellenwert haben wird. 86 Gründungsstifter unterzeichneten Anteile von jeweils 1000 Euro. Inzwischen ist die Zahl der Stifter auf 213 angewachsen, berichtet Professor Dr. Wolfgang Seiler, seit 1. März 2011 Vorstandsvorsitzender von EWO. Dem früheren Direktor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen geht Vieles nicht schnell genug. „Es wird versucht, die Probleme von übermorgen mit den Instrumenten von vorgestern zu lösen“, stellt er immer wieder fest.
Die wenigen haupt- und die rund hundert ehrenamtlichen Mitglieder von EWO arbeiten überaus engagiert. Sie leisten Aufklärungsarbeit in Schulen, bieten Beratung an, stehen in Versammlungen Rede und Antwort. Sanierungsprogramme zum Energiesparen wurden entwickelt, die Bereitstellung von regenerativen Energien forciert. „Wir brauchen überregionale Konzepte. Deshalb ist es interessant, dass sich hier drei Landkreise mit 72 Gemeinden zusammengetan haben“, nennt Professor Seiler ein Beispiel, das Mut macht. Die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau und unterstützen die Stiftung, der sie selber angehören, mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 37.500 Euro. Dazu kommen Erträge aus dem Stiftungskapital und Spenden von Bürgern und Unternehmen – ein knappes Budget für eine große Aufgabe. Geld fehlt vor allem dann, wenn es um die Kofinanzierung von Projekten auf Bundes- oder Landesebene geht. Zum Glück hat das Oberland als Bioenergieregion einen von 25 Preisen im bundesweiten Wettbewerb gewonnen, den das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgeschrieben
hat. Es geht dabei um Restholz aus der nachhaltigen Bewirtschaftung und der Pflege von Wäldern und Grünanlagen. Da der Brennstoff aus der Region kommt, sind die Lieferwege kurz – das schont die Umwelt zusätzlich und kurbelt die regionale Wirtschaft an. Biomasse ist als speicherbarer Energieträger immer verfügbar und ein umweltschonender Ersatz für Heizöl, da sowohl Wärme als auch Strom daraus gewonnen werden können. Für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach wurde ein forstwirtschaftliches Gutachten zur Ermittlung des Energieholzpotenzials erstellt. Die Studie zeigt, dass in beiden Landkreisen ausreichend Potenzial für die verstärkte Nutzung von Energieholz zur Verfügung steht.
Auch bei den Windanlagen will EWP dabei sein: Die Bürger selbst sollen solche Anlagen bauen und betreiben – aktiv mithelfen, das ihre Region autark wird. „Bürger bauen Zukunft“ – dieses Motto ist bei EWO verwirklicht und dafür gibt es den Bürgerkulturpreis des Landtags. /Heidi Wolf


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