Bürgerkulturpreis 2011 des Bayerischen Landtags
2. Preis: KUNO-Stiftung Regensburg

Am Universitätsklinikum Regensburg, das 1992/93 in Betrieb ging, gab es keine Kinder- und Jugendmedizin, was massive Proteste in der Bevölkerung auslöste. „Nun hat Ostbayern endlich die medizinische Höchstversorgung, aber nur für Erwachsene – was ist mit den Kindern?“, wurden die politisch Verantwortlichen gefragt. 2003 konnte endlich eine tragfähige Planung verabschiedet werden. Diese sah den Ausbau der Kinderklinik St. Hedwig auf universitäres Niveau vor und ergänzend dazu den Neubau einer hoch spezialisierten Pädiatrie an der Uniklinik. Beide Häuser sollten als „Kinderklinik auf zwei Beinen“ von einem Universitätsprofessor für Kinder- und Jugendmedizin geleitet werden. Die Pläne drohten jedoch an den leeren Staatskassen zu scheitern.
In dieser Situation gründeten die Professoren der Uniklinik Regensburg die Stiftung „Kinder-Universitätsklinik Ostbayern.“ Das Motto lautete: „Ostbayern packen’s an – wir bauen unsere Kinder-Universitätsklinik selbst.“ Im Jahre 2004 startete die Spendenaktion KUNO, begleitet von ihrem Maskottchen, einem blauen Raben mit einem Flügel in der Schlinge und einem Pflaster auf dem Schnabel. Eine regelrechte Bürger-Kultur-Bewegung entstand, die sich wie eine Lawine ausbreitete. Bereits im ersten Jahr wurden dreieinhalb Millionen Euro gesammelt – ein riesiger Erfolg, der auch die Bayerische Staatsregierung überzeugte. Zusammen mit KUNO finanzierte sie den Neubau an der Uniklinik Regensburg, der im Januar 2010 in Betrieb ging. Die Gesamtkosten inklusive Einrichtung betrugen 20,5 Millionen Euro – sechseinhalb Millionen Euro steuerte KUNO bei.
Zwei Projekte in der Klinik St. Hedwig, die dem Orden der Barmherzigen Brüder gehört, stemmte die Stiftung KUNO ganz allein. Für 3,5 Millionen Euro wurden das Mutter-Kind-Zentrum umgebaut und mit einem Kernspintomographen ausgerüstet sowie das Notfallzentrum völlig neu gestaltet. Damit ist die „Kinderklinik auf zwei Beinen“ Wirklichkeit! Sie steht inzwischen für Spitzenmedizin: Hier befindet sich das größte Zentrum für Lebertransplantationen in ganz Süddeutschland. Sogar winzige Babys bekommen eine Chance für ein normales Leben. Regensburg hat außerdem – nach der Klinik Großhadern in München – das zweitgrößte Zentrum für Frühgeburten. Eine einzigartige Bürgerbewegung hat das alles möglich gemacht: Über elf Millionen Euro gingen für KUNO an Geld- und Sachspenden ein, Tausende von Menschen jeden Alters haben sich für das gemeinsame Anliegen begeistert und mitgemacht.
Jetzt richtet sich das Augenmerk der Stiftung auf den Betrieb der Klinik: KUNO finanziert Dinge, die anderweitig nicht bezahlt werden oder bezahlt werden können. Dazu gehören die psychosoziale Betreuung und im Einzelfall auch die finanzielle Unterstützung von Familien mit schwer erkrankten Kindern sowie die kindgerechte Gestaltung der beiden Häuser und ihres Umfeldes. KUNO beschafft, wenn es nötig ist, auf die Schnelle medizinisches Gerät und fördert die pädiatrische Forschung. 25 Menschen im Alter von 20 bis 70 Jahren kümmern sich ehrenamtlich um die Stiftung, die bis heute keinerlei „Fundraising“ im üblichen Sinn betreibt: Dieses beispielhafte Engagement „von der Region, für die Region“ belohnt der Bayerische Landtag mit dem Bürgerkulturpreis 2011. /Heidi Wolf


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