Serie "Menschen im Maximilianeum"
"Die ersten Mieter waren junge Adelige"
Herr Beißer, Sie sind Vorstand der Stiftung „Maximilianeum“. Was versteht man unter einem „Maximilianeer“?
Der bayerische König Max II. gründete 1852 die Stiftung „Maximilianeum“. Diese sollte hochbegabten „Jünglingen“ seines Königreichs, unabhängig von Herkunft und Besitz der Eltern, ein sorgenfreies Studium an einer Münchner Universität ermöglichen. Seit der Fertigstellung des gleichnamigen Hauses im Jahre 1872 bewohnen die Stipendiaten dieser Stiftung, also die „Maximilianeer“, das Maximilianeum. Seit 1980 können auch junge Studentinnen als Stipendiatinnen im Haus aufgenommen werden.
Bis heute ist die Stiftung Eigentümerin des Gebäudes, die Stipendiaten sind also die eigentlichen „Hausherrn“ des Maximilianeums! Wer waren „ihre ersten Mieter“?
Das waren junge Adelige, auch Pagen genannt. Zwischen 1877 und 1918 befand sich im Maximilianeum eine sogenannte Pagerie – eine Ausbildungsstätte für königliche Edelknaben, die hier im Haus auf ihren Dienst am Hofe vorbereitet wurden.
Nach der Revolution in Bayern im November 1918 war Schluss mit der Pagerie. Hatten die Studenten ab dann das Haus wieder für sich allein?
Das war eigentlich nie der Fall. Schon im 19. Jahrhundert waren auch Wissenschaftler im Haus eingemietet – etwa Mitarbeiter der deutschen Akademien der Wissenschaften. In der Zwischenkriegszeit arbeiteten sie hier am Thesaurus Linguae Latinae, dem größten Latein-Wörterbuch der Welt. 1932 zog das an die Deutsche Akademie angegliederte Indien-Institut ein und Indologen übersetzten Sanskrit, also alte hinduistische Schriften. 1946 bewohnten auch Mitarbeiter der Akademie der Tonkunst, heute Hochschule für Musik, das Haus.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte das Maximilianeum für die Zwecke des Landtags freigemacht werden, was damals am Widerstand der Stiftung scheiterte. Seit 1949 leben nun die Studenten der Stiftung und die bayerischen Volksvertretern gemeinsam unter demselben Dach – eine wohl einzigartige Konstellation . . .
Ja, eine Konstellation, die sich heuer zum 60. Mal jährte und sehr gut eingespielt hat. Tatsächlich gibt es im Alltag aber nur wenige Berührungspunkte zwischen dem Leben der Stiftung einerseits und dem Parlamentsbetrieb mit seinen Abgeordneten, Mitarbeitern der Fraktionsgeschäftsstellen und dem Landtagsamt andererseits. Beide Bereiche laufen weitgehend parallel nebeneinander her. Einmal im Jahr kommen alle Nutzer des Hauses zusammen: im Juni, beim traditionellen Sommerfest der Stiftung im Südhof des Maximilianeums.
Herr Beißer, vielen Dank für dieses Gespräch.


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