Text: Alexandra Kournioti | Fotos: Rolf Poss, Eleana Hegerich21.05.2010
Albert Füracker
Sein erster Berufswunsch war Astronaut zu werden. „Dann bin ich aber doch auf dem Boden geblieben und Landwirt geworden“, sagt Albert Füracker (CSU), Vorsitzender des Agrarausschusses im Bayerischen Landtag. Diesen Posten hat der 42-Jährige mittlerweile seit einem halben Jahr inne. Füracker hat die Nachfolge seines Parteikollegen Gerhard Eck angetreten, der als Staatssekretär ins Innenministerium wechselte. „Ich habe bei sehr vielen Terminen in ganz Bayern die Vielfalt der Landwirtschaft mit all ihren Facetten erleben können“, bilanziert der Oberpfälzer seine bisherige Amtszeit.
Trotz deren Kürze hat er festgestellt: „Schade ist es, dass wir als bayerische Agrarpolitiker in unseren Handlungsmöglichkeiten sehr stark von den Beschlüssen aus Brüssel und Berlin abhängen.“ Dennoch verzeichnet Füracker aus seiner Sicht Erfolge: „Ich fand es sehr gut, dass wir bei der Fragestellung der Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete einen fundierten Antrag einstimmig im Ausschuss beschließen konnten.“ Enttäuscht habe ihn dagegen, dass bei der Beratung des Wassergesetzes „nicht alle Fraktionen bereit waren, die Diskussion im Ausschuss zu führen und sogar die Sitzung verlassen haben“.
Füracker, der seit 2008 Volksvertreter ist, wurde die Politik mehrfach in die Wiege gelegt: Sein Urgroßvater war ebenfalls Landtagsabgeordneter; sein Großvater Kreis- und sein Vater Gemeinderat. Die Eindrücke während eines Besuchs der geteilten Stadt Berlin in der zehnten Klasse, der frühe Kontakt zu Freunden der Jungen Union und 20 Jahre in der Kommunalpolitik hätten seinen politischen Instinkt zusätzlich geweckt.
„Agrarpolitik die wichtigste Form von Gesellschaftspolitik“
Entsprechend selbstbewusst hat sich Füracker viel vorgenommen: „Ich bin überzeugt, dass Agrarpolitik die wichtigste Form von Gesellschaftspolitik darstellt und ich werbe mit guten Argumenten unaufhörlich bei der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung für die Notwendigkeit, Landwirtschaft in Bayern zu betreiben.“ Außerdem ist es ihm als bayerischen Patrioten wichtig, bei der Bundesregierung und in Brüssel Interessen des Freistaats durchzusetzen.
Außerdem: „Mein Ziel ist es, noch deutlicher zu machen, dass wir nicht nur der ,Agrarausschuss‘ sind.“ Das Gremium ist auch für Ernährung und Forsten zuständig. Alle drei Bereiche seien gleichwertig. Die Zusammenarbeit mit seinem Vize Adi Sprinkart (Grüne) präge gegenseitiger Respekt und das Ringen um gute Lösungen. „Dass zur politischen Debatte auch Emotionalität und Leidenschaft gehören, ist dabei selbstverständlich und auch kein Beinbruch“, findet der Vater von vier Kindern, der rege Diskussionen gewohnt sein dürfte: Im heimischen Lupburg-Degerndorf leben drei Generationen Fürackers unter einem Dach.
Als größte Schwierigkeit für die bayerische Landwirtschaft empfindet Füracker die zentralistische Brüsseler Agrarpolitik. Für ihn steht fest: Mit rein marktwirtschaftlichen Kriterien würde die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern nicht mehr gelingen. Seiner Meinung nach ist der multifunktionale bäuerliche Familienbetrieb die geeignete Form, um der Globalisierung zu begegnen. „Bayern ist der Feinkostladen in der EU“, sagt Füracker selbstbewusst. Zudem gebe es im Freistaat kaufkräftige Kunden, die immer mehr Regionalität einforderten. Hinzu kämen „hervorragend ausgebildete Landwirte, die mit kreativen Ideen und engagiertem Unternehmertum wirtschaftlich erfolgreich sind“. Auch nehme die Bedeutung von Dienstleistungen im landwirtschaftlichen Bereich zu.
Die Mischung macht‘s also – dieses Motto gilt auch für den Privatmann Albert Füracker: Er liebt Pop- und Rockmusik ebenso wie Klassik und Volksweisen. Bezeichnend für den Tatkräftigen: „Ich mag es, auch mal kräftig mitzusingen.“
Porträt Adi Sprinkart auf der nächsten Seite
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Adi Sprinkart
Gäbe es einen Preis für die originellste Webseite eines bayerischen Abgeordneten, dann hätte ihn der stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses Adi Sprinkart (Grüne) verdient: „Sie sind uf d'r Houmpeitsch von Sprinkarts Adi glandet. Do kenned Sie nochluege, was i für a Kerle bi“, heißt es auf seinem Internetauftritt. Den wiederum gibt es gleich in drei Versionen: auf Englisch, Deutsch und eben auf Allgäuerisch, Sprinkarts Heimatdialekt. Allen dreien ist eines gemeinsam: Mutterwitz. Für diesen ist der 57-Jährige auch im Landtag bekannt und beliebt – ebenso wie für Sachverstand und scharfzüngige Kritik.
Letztere trägt er meist mit einem entwaffnenden Lächeln vor. „Das ist im Prinzip ein protokollarischer Titel“, beschreibt Sprinkart beispielsweise seine Funktion als stellvertretender Ausschussvorsitzender, die er seit 2003 hat. „Der Einfluss eines stellvertretenden Ausschussvorsitzenden ist sehr bescheiden. Ich kann vielleicht hin und wieder Einfluss auf die Tagesordnung nehmen, vor allem dann, wenn ich eine Sitzung komplett leite“, sagt er. Die Zusammenarbeit mit Ausschusschef Albert Füracker (CSU), die es in dieser Konstellation ja erst seit sieben Monaten gibt, bewertet Sprinkart positiv: „Sie funktioniert gut.“
Stolz ist Sprinkart auf jede Entscheidung des Gremiums, die das Resultat eines inhaltlichen Dialogs ist. In der Regel legten allerdings die Mitglieder der Regierungsfraktionen im Arbeitskreis fest, wie zu den einzelnen Tagesordnungspunkten abgestimmt werden soll. Sprinkart: „Wir können dann als Opposition noch so überzeugende Argumente haben und werden nicht recht bekommen.“
EU-Agrarförderung: „Von Bayern aus die notwendige Neuausrichtung anstoßen und forcieren"
Begrenzte Einflussmöglichkeiten hin oder her – der im Oberallgäuer Gopprechts Geborene hat konkrete Ziele: Am Ende der Legislaturperiode beginnt der neue Zeitraum der EU-Agrarförderung. „Es wäre ein großer Erfolg, wenn wir von Bayern aus die notwendige Neuausrichtung anstoßen und forcieren könnten.“ So sollte ab 2014 die Vergabe von Fördermitteln an gesellschaftliche und ökologische Leistungen wie beispielsweise die Erhaltung der Kulturlandschaft gekoppelt werden.
Dürfte Sprinkart, der selber einen Bio-Betrieb mit Muttertierhaltung im Nebenerwerb hat, die künftige Agrarpolitik für den Freistaat entwerfen, sehe sie so aus: Eine Landwirtschaft frei von Agrogentechnik. Aufgabe der Politik sei es, den Strukturwandel deutlich einzubremsen. Dafür gelte es, staatliche Fördermittel einzusetzen. „Ich finde, wir sollten noch mehr auf Qualität und zwar im Sinne des Verbrauchers und nicht der Ernährungsindustrie setzen und diese Entwicklung auch gezielt staatlich fördern“, sagt der Allgäuer, der das Regionalvermarktungsprojekt „Von Hier“ der Firma Feneberg für Rindfleisch mitentwickelt hat.
Sprinkart ist das Gegenteil eines Polit-Karrieristen. Persönliche Erfahrungen hätten ihn zur Politik geführt, sagt er: „Ich war schon immer politisch interessiert, aber konkret politisch engagiert habe ich mich erst durch den überzogenen Straßenbau im Allgäu“, erinnert sich der Grünenpolitiker, der seit 1997 im Landtag vertreten ist. Sein agrarpolitisches Schlüsselerlebnis sei die maßlose Enttäuschung darüber gewesen, dass der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle – der wie Sprinkart aus dem Allgäu stammte – bei Einführung der Quotenregelung die Grünlandgebiete und Berggebiete nicht ausgenommen hat.
Auch in seiner knapp bemessenen Freizeit bleibt der Vater von zwei Kindern der Natur verbunden: Arbeit auf seinem Hof, Radfahren und Skitouren zählen zu seinen Hobbys. Außerdem hat das „sonnige Gemüt“ (Sprinkart über Sprinkart) eine Vorliebe für das große Drama: Opernvorstellungen besucht der Allgäuer gerne.