Erweiterungsbau setzt Maßstäbe für die Zukunft
Der Bayerische Landtag befindet sich wieder unter einem Dach: Mit einem 15,4 Millionen Euro teueren Erweiterungsbau am Maximilianeum wurde die akute Platznot beseitigt, die sich mit den Wahlen im Herbst 2008 drastisch verschärft hat, als erstmals fünf Fraktionen ins bayerische Parlament einzogen. Das Gebäude, das in einer Bauzeit von nur zwei Jahren entstanden ist, setzt Maßstäbe für die Zukunft. Es ist barrierefrei und erfüllt den Passivhausstandard, was bei Bürogebäuden oder öffentlichen Bauten bisher extrem selten gelingt.
Text: Heidi Wolf | Fotos: Rolf Poss
24.05.2012
„Auf beides haben wir besonderen Wert gelegt, weil wir als öffentliche Institution eine Vorbildfunktion haben“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Einweihungsfeier. Dabei nahm sie auch das Zertifikat des renommierten eza-Instituts entgegen, das dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums (MEN) den Passivhausstandard bestätigt: Das Haus benötigt nur ein Fünftel der Energie, die ein vergleichbarer Neubau mit herkömmlichen Standards braucht. Den Vorbildcharakter des neuen achtstöckigen Gebäudes – sechs davon oberirdisch – stellte auch Innenminister Joachim Herrmann, der Chef der Bauverwaltung in Bayern, in seinem Grußwort heraus. Das Haus erfülle die deutlich höheren energetischen Anforderungen, die in der Energiesparverordnung von 2009 vorgeschrieben seien, lobte er. Landtagspräsidentin Barbara Stamm wies in ihrer Rede darauf hin, dass das Bauwerk fest in bayerischer Hand war: Von den 35 beteiligten Firmen im Hochbau kamen 75 Prozent aus Bayern. Geplant hat das Gebäude ein Berliner Büro: Léon, Wohlhage, Wernik. Die renommierten Architekten von der Spree setzten sich in einem hochrangig besetzten Wettbewerb durch und schufen ein höchst attraktives Gebäude an einem historischen Ort hoch über den Isarauen. In Anlehnung an das Maximilianeum, das der Münchner Baumeister Friedrich Bürklein für König Max II. entworfen hat und das von 1857 bis 1874 entstanden ist, besteht die Fassade aus Terrakottafliesen. Das Geschoss mit dem lichtdurchfluteten Saal ragt über das übrige Gebäude hinaus. „Präzise eingepasst, gestalterisch zurückhaltend, aber ausdrucksstark in der Kubatur“, schilderte Professorin Hilde Léon das Ziel für den Neubau.
Rot ist die dominante Farbe
Neben dem großen Konferenzsaal sind in dem achtstöckigen Gebäude drei Besprechungsräume und 65 Büros entstanden. Die Abgeordneten sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landtagsverwaltung und der Fraktionsgeschäftsstellen arbeiten in einer hellen und freundlichen Atmosphäre. Hier dominiert die Farbe Rot – eine Anknüpfung an den Erweiterungsbau im Osten des Maximilianeums aus den 1990-er Jahren, der die Handschrift des Berliner Architekten Volker Staab trägt. „Es ist eine richtig noble Umgebung“, lauten die anerkennenden Kommentare von Abgeordneten, Beschäftigten und Besuchern.
Neu ist auch der Gesundheitsbereich mit Fitnessstudio und Sauna, denn die Menschen sollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm. „Neben der wunderbaren Baukunst ist und bleibt der Mensch im Mittelpunkt der Arbeitswelt, nicht allein als Dienstleister, sondern mit seinen vielen sozialen Bezügen. Deshalb müssen und wollen wir alles dafür tun, dass Ihr Lebensraum – der Arbeitsplatz – Ihren Bedürfnissen entspricht“, wandte sich Barbara Stamm an die Abgeordneten und die Beschäftigten in der Verwaltung. Zur dominierenden Farbe Rot im Erweiterungsbau sagte sie mit einem Lächeln: „Es ist zwar nicht die Lieblingsfarbe aller Kolleginnen und Kollegen, aber wir sind uns einig: Es ist ein architektonischer Hingucker.“ Und dann fügte die Präsidentin noch an: „Bereits der Baumeister Friedrich Bürklein hat die Arkaden des Altbaus in Rot gestaltet.“
Mit dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums ist die gesamte Landtagsfamilie wieder unter einem Dach, freute sich Barbara Stamm. Bisher war ein Teil der Verwaltung in die Ismaninger Straße ausgelagert. Jetzt sind alle wieder ins Stammhaus zurückgekehrt. „Bei allen Fortschritten in den modernen Kommunikationsmöglichkeiten: Persönliche Begegnungen und Gespräche sind für das Miteinander im Arbeitsalltag unverzichtbar“, betonte die Präsidentin. Den kirchlichen Segen bekam das Haus von Prälat Dr. Lorenz Wolf und Kirchenrat Dieter Breit.


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