Landtags-Präsidium auf Informationsreise durch China
Voller faszinierender Eindrücke kam das Präsidium des Bayerischen Landtags nach vielen intensiven Begegnungen von seiner China-Reise zurück. Das Fazit aller Delegationsmitglieder lautete: Man muss mit eigenen Augen gesehen haben, was in diesem Land vor sich geht, um die Dimension zu begreifen. Eine Woche lang vom 28. April bis zum 6. Mai 2012 informierten sich die Politikerinnen und Politiker vor Ort über gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in China. Eine Erkenntnis vor allem hat die Delegation aus der Reise durch das Land der Mitte gefreut: Deutschland – das ist in China in erster Linie Bayern. Neuschwanstein, bayerisches Bier und Spitzentechnologie aus dem Freistaat kannte jeder Chinese, dem die Delegation begegnete.
Text: Zoran Gojic | Fotos: Zoran Gojic
08.05.2012
Anlass des Besuchs war eine Einladung der ostchinesischen Provinz Shandong, seit 25 Jahren eine Partnerregion Bayerns. Seit dem Jahr 2000 besteht zudem ein Partnerschaftsabkommen mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Bayerischem Landtag und dem Volkskongress Shandong zu intensivieren. Weitere Stationen waren Guangdong (den meisten im Westen eher als „Kanton“ bekannt), Shanghai und die Hauptstadt Peking. In der Partnerprovinz Shandong im Nordosten Chinas erlebte die Delegation den neuen Wohlstand. Die Geschichte Shandongs erinnert in vielerlei Hinsicht an die von Bayern. Die Heimat des chinesischen Philosophen Konfuzius war von Landwirtschaft geprägt und galt als Armenhaus Chinas. Heute ist die Provinz einer der Motoren der chinesischen Volkswirtschaft und ein Hochtechnologie-Standort, insbesondere die Küstenstadt Qingdao, in der Bayern eine Vertretung hat.
Obwohl im Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe von 2008 mehr Menschen leben als in Berlin, Hamburg und München zusammen, ist Qingdao für chinesische Verhältnisse eine eher beschauliche Stadt. Bei der Ankunft bekamen Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die Vizepräsidenten Reinhold Bocklet, Franz Maget und Jörg Rohde, die Präsidiumsmitglieder Walter Nadler, und Hans Herold sowie die Abgeordneten Ingrid Heckner und Professor Dr. Michael Piazolo das moderne Gesicht Chinas zu sehen. Mit seinen Parks, modernen Gebäuden und großen Straßen könnte man sich auch irgendwo in Bayern wähnen.
Qingdao steht exemplarisch dafür, wie die chinesische Führung den Fortschritt regelrecht erzwingt. Weil 2014 in Qingdao die internationale Gartenausstellung stattfindet, hat die Stadtspitze kurzerhand rund zwei Millionen Bäume pflanzen lassen – innerhalb von vier Wochen. Nur ein Beispiel für die erstaunliche Geschwindigkeit und Entschlossenheit, mit der China Projekte angeht. In der gesamten Provinz wird übrigens massiv aufgeforstet, um Bodenerosion zu verhindern und die Luftqualität zu verbessern. Beim erst erwachenden ökologischen Bewusstsein ist Shandong Vorreiter in China.
Sino-German-Ecopark als ökologisches Vorzeigeprojekt
Beispielhaft dafür ist der Sino-German Ecopark, der gerade bei Qingdao entsteht: ein zehn Quadratkilometer großes Areal, auf dem zukunftsträchtige Umwelttechnologien erforscht und entwickelt werden sollen. „Deutschland ist uns in diesem Bereich nicht nur einen, sondern viele Schritte voraus und wir wollen von Ihnen lernen“, erklärte Projektleiter Ye Yunyong den Delegationsmitgliedern bei der Besichtigung dieses Vorzeigeprojektes. Dazu gehört auch, dass die Gebäude nach neuen Umweltstandards errichtet werden. Ziel ist eine möglichst neutrale CO2-Bilanz und geringer Energieverbrauch. Zudem sollen dort Menschen nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen, um unnötige Anfahrten und damit CO2-Ausstoß zu vermeiden. Und nicht zuletzt will man dort ausbilden, wenn möglich nach dem deutschen Vorbild der dualen Berufsausbildung in Deutschland, erklärte Wu Xiaohui, die Präsidentin der Gesellschaft für Berufsausbildung der Region. Sie kann sich die Gründung von Handelskammern nach deutschem Vorbild und Berufsbildungszentren vorstellen. „Wir hoffen sehr auf die Unterstützung aus Deutschland, auf wechselseitigen Austausch und auf enge Zusammenarbeit“, betonte Wu.
Landtagspräsidentin Barbara Stamm signalisierte Unterstützung für diesen Plan. „Die Konzentration auf Ausbildung und Studium ist richtig und wichtig. Das Know How für die duale Ausbildung kann aus Bayern kommen; Auch Austauschprogramme kann man noch weiter ausbauen. Bildung ist für uns alle lebenswichtig - für eine zukunftsfähige Gesellschaft“, sagt Stamm. Die Landtagspräsidentin begrüßte die Öffnung Chinas für Themen jenseits der Wirtschaft. „Die Ausbildung rückt zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses, insbesondere bei Frauen. Auch die Energiefrage und Umweltthemen werden immer wichtiger, wie man am Pilotprojekt Sino-German Ecopark in Qingdao beobachten kann“, stellte Stamm fest.
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