Erneut ist die Verwaltung des Parlaments mit dem Zertifikat zum audit berufundfamilie ausgezeichnet worden. Das erfolgreiche Bestehen dieses Audits würdigt die vielfältigen personalpolitischen Akzente des Landtagsamts für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Redaktion sprach über die Auszeichnung mit Matthias Alert, verantwortlicher Projektleiter und Referatsleiter Personal, Abgeordnete.
Text: Katja Helmö | Fotos: Rolf Poss23.07.2010
Herr Alert, der Bayerische Landtag hat das Zertifikat zum audit berufundfamilie im Jahr 2007 zum ersten Mal erhalten und es jetzt, nach einem intensiven Re-Zertifizierungsverfahren, erneut bestätigt bekommen. Mit welchen Rahmenbedingungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann das Landtagsamt punkten?
„Das Landtagsamt verfügt über sehr hohe Standards hinsichtlich flexibler Arbeitszeitregelungen – Standards, die auch innerhalb des Öffentlichen Dienstes als überaus fortschrittlich zu bezeichnen sind. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im Rahmen des Jahresarbeitszeitmodells ihre Arbeitszeit individuell einbringen und sind dabei nicht mehr an Kernzeiten gebunden. Auch die Möglichkeiten, in Teilzeit zu arbeiten, sind vielfältig und auf die persönlichen Alltagserfordernisse unserer Beschäftigten zugeschnitten. Angebote für Wohnraum- und Telearbeit gehören ebenfalls dazu. Diese zeitliche und räumliche Flexibilität schafft Freiräume. Wechselnde Anforderungen in Familie und Beruf in unterschiedlichen Lebensphasen können so besser ausbalanciert werden.“
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Projektleiter Matthias Alert
© Bildarchiv Bayerischer Landtag
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Stößt diese Flexibilität nicht auch manchmal an arbeits-organisatorische Grenzen?
„Selbstverständlich ist die Funktionsfähigkeit jeder Organisationseinheit eine unabdingbare Voraussetzung. Dies wird in den Abteilungen und Referaten durch Funktions- und Präsenzzeiten sichergestellt. Grundsätzlich begegnen wir den Wünschen unserer Beschäftigten nach Flexibilisierung aber offen und wohlwollend. Wir überlegen gemeinsam, wie wir die Arbeitsabläufe optimal gestalten und mögliche organisatorische Hemmnisse vermeiden können. Das beginnt oft schon bei recht simplen Dingen, wie etwa der routinemäßigen Umleitung des Telefons bei Abwesenheit.“
Welche Entlastungsmöglichkeiten bietet das Landtagsamt für die Familien der Amtsangehörigen?
„Gerade auf dem Gebiet der Kinderbetreuung haben wir seit 2007 sehr viel erreicht. Hier bieten wir individuelle Beurlaubungsmöglichkeiten mit Rückkehrgarantie ebenso an wie Wohnraum- und Telearbeit. Seit Herbst 2009 betreiben wir zudem eine hauseigene Kinderkrippe in eigener Trägerschaft, die sehr flexible Betreuungszeiten anbietet. Für Notfälle, etwa wenn eine Tagesmutter mal unerwartet ausfällt, haben wir im Haus zusätzlich ein eigenes Eltern-Kind-Zimmer mit PC-Arbeitsplatz eingerichtet. Hier können Eltern sich mit ihrem Kind zurückziehen und arbeiten. Betreuungsengpässe am Buß- und Bettag – an diesem Tag müssen berufstätige Eltern regulär arbeiten, während die Kinder Ferien haben – überbrücken wir seit zwei Jahren mit einem eigenen Betreuungsangebot für Kinder im Haus.“
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Was hat sich im Landtagsamt durch die erfolgreiche Teilnahme am Audit berufundfamilie verändert?
„Wir haben mittlerweile einen ganzen Katalog an familienorientierten Maßnahmen umgesetzt. Dieser Prozess ist mit einem Wandel im Denken einhergegangen, ja hat zu einem Kulturwandel im Haus geführt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird heute nicht mehr in Frage gestellt. Sie ist ein selbstverständliches Anliegen, dem unsere Führungskräfte lösungsorientiert begegnen.“
Wie hilfreich ist das Auditierungsverfahren, um Fortschritte als familienbewusster Arbeitgeber auf den Weg zu bringen?
„Mit der Teilnahme am Audit startete ein Prozess, der alle hierarchischen Ebenen im Landtagsamt erfasst und aktiv miteinbezieht. Ziele werden im Rahmen von Projektgruppen gemeinsam erarbeitet und orientieren sich am Bedarf, also daran wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich der Schuh drückt. Geschulte Auditoren begleiten diesen Prozess und bringen auch neue Impulse ein.“
Welche neuen Aufgabenschwerpunkte sind für die nächsten drei Jahre, also bis zur nächsten Re-Zertifizierung, gesetzt?
„Wir haben dazu einen ansehnlichen Katalog, der bewährte Maßnahmen fortschreibt und neue Angebote enthält, verabschiedet. Wohnraum- und Telearbeit sowie aktives Gesundheitsmanagement werden auf jeden Fall wichtige Handlungsfelder sein. Bei der Umsetzung der Wohnraum- und Telearbeit gilt es noch, organisatorische Details zu klären. In Sachen Gesundheitsprävention gab es schon in der Vergangenheit vielfältige Angebote – von der Rückenschule bis hin zu Info-Tagen rund um Gesundheitsthemen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung wollen wir in Zukunft für die Gesundheit unserer Mitarbeiter aber noch mehr tun. Auch die Teilzeitfähigkeit bei Stellenbesetzungen, insbesondere auch bei Führungspositionen, steht auf unserer Agenda.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren. Profitiert auch der Bayerische Landtag als Arbeitgeber von einer familienbewussten Personalpolitik?
„Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von ihrem Arbeitgeber die Möglichkeit erhalten, familiäre und berufliche Verpflichtungen miteinander in Einklang zu bringen, arbeiten gerne, sind motiviert und wechseln seltener zu einem anderen Arbeitgeber. Auch in Bewerbungsgesprächen sind familienfreundliche Rahmenbedingungen mittlerweile ein wichtiger Aspekt. Arbeitgeber, die eine familienbewusste Personalpolitik vorweisen können, haben im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte häufig die Nase vorn.“
Herr Alert, vielen Dank für dieses Gespräch.