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Bürgerkulturpreis 2011 des Bayerischen Landtags

4. Preis: Kempodium e.V.

 
4. Preis: Mitglieder von Kempodium e.V., Kempten, bei der Preisverleihung im Bayerischen Landtag  mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (li.) und Thomas Kreuzer, Leiter der Staatskanzlei (re.) - Copyright: Bildarchiv Bayerischer Landtag - Foto: Rolf Poss
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4. Preis: Mitglieder von Kempodium e.V., Kempten, bei der Preisverleihung im Bayerischen Landtag mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (li.) und Thomas Kreuzer, Leiter der Staatskanzlei (re.)
© Bildarchiv Bayerischer Landtag
Seit elf Jahren gibt es das Kempodium in Kempten, ein außergewöhnliches Bürgerzentrum für das Oberallgäu. Es ist eine Antwort auf die Wegwerfgesellschaft: Im Kempodium sind die Selbermacher zu Hause. Menschen jeden Alters kommen her, um in der Schreinerwerkstatt Möbel und Instrumente zu bauen – eigenständig oder unter Anleitung eines Fachmanns oder einer Fachfrau. In der Metallwerkstatt können Fahrräder repariert werden. In der Kochwerkstatt erfahren Kinder und Erwachsene, wie gut gesundes Essen aus regionalen Produkten schmeckt. Jugendliche auf der Suche nach dem richtigen Beruf können ihre handwerklichen Fähigkeiten ausprobieren und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Kinder- und Jugendprojekte laufen, auch im Rahmen von Programmen wie „Soziale Stadt.“ Kindergeburtstage finden statt, bei denen das Geburtstagskind mit seinen Gästen filzt, kocht und bastelt. In der großen Küche wird für Familienfeiern aufgekocht und im Saal nebenan gefeiert – Erstkommunion genauso wie Bar Mitzwa oder Hochzeiten von Migranten aus Russland und der Türkei. Vor allem Familien mit kleinem Geldbeutel nutzen diese Möglichkeit. Seit Mai
2006 gibt es auch das Kaufhaus Allerhand. Hier werden gebrauchte Möbel angeboten, die Jugendliche im Rahmen von LOS-Projekten – lokales Kapital für soziale Zwecke – in den Werkstätten aufpolieren, außerdem Wohnaccessoires jeder Art und Bücher.

Der Anstoß für Kempodium kam von der anstiftung gGmbH in München, die dort im Stadtteil Haidhausen das „Haus der Eigenarbeit“ initiiert hat. Stifter Jens Mittelsten Scheid suchte einen zweiten Ort, an dem er seine Vorstellungen noch mehr verwirklichen konnte. Ende 1999 fiel die Wahl auf Kempten, wo eine aktive Agenda 21-Bewegung bestand. 50 engagierte Bürgerinnen und Bürger begeisterten sich sofort für die anstiftungs-Idee und machten sich in einer ehemaligen Schreinerei an die Arbeit. Schon im Herbst 2000 wurde das Kempodium eröffnet, das Allgäuer Zentrum für regionale Eigenversorgung. Die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung ist längst vorbei: Inzwischen werden pro Jahr über 55 000 Besucher und Kunden gezählt. „Es gibt in Kempten und Umgebung kein Grundschulkind, das uns nicht kennt“, stellt Ethelbert Babl, Leadermanager und Vorsitzender von Kempodium e. V., zufrieden fest. Die große Zugnummer für diese Altersgruppe ist das Bildungsangebot „Backen und Sägen“, das von den Grundschulklassen aus der ganzen Umgebung begeistert angenommen wird. Geschäftsführer ist seit Februar 2007 Martin Slavicek, der von einer kleinen Gruppe hauptamtlicher Mitarbeiter und vielen ehrenamtlich Engagierten zwischen 10 und 80 Jahren unterstützt wird. Pro Jahr leisten sie über 5000 Ehrenamtsstunden.
Das gesamte Team tut alles, um die Einrichtung zu stärken und finanziell möglichst unabhängig zu werden. Ziel ist es, bis 2013 vollkommen auf eigenen Füßen zu stehen – als erste Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland. Das Kempodium befindet sich jedenfalls auf der Erfolgsspur: Die Eigenfinanzierung wurde von anfänglich 25 Prozent auf 85 Prozent gesteigert, das Defizit tragen die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu. Das Allgäuer Zentrum für regionale Eigenversorgung ist ein gelungenes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, Nachhaltigkeit und Regionalität. Dafür wird es mit dem Bürgerkulturpreis des bayerischen Landtags ausgezeichnet.  /Heidi Wolf



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