Serie: Menschen im Maximilianeum
Das Team der Telefonzentrale
„Für viele Bürgerinnen und Bürger sind wir die erste Kontaktstelle hier im Landtag“, sagt Sabine Jaumann über ihre Arbeit im fünfköpfigen Team der Telefonzentrale. Bei ihr und ihren Teamkollegen landen alle Anrufer von außen, die mit einem Ansprechpartner im Parlament sprechen wollen – seien es Abgeordnete, Mitarbeiter der Fraktionsgeschäftsstellen, des Landtagsamts oder Journalisten der Landtagspresse. Mit über 600 Namen und Telefonnummern gilt es hier zu jonglieren. Hinzu kommen die Verbindungen der Abgeordneten im Haus, die über die Zentrale in ein Ministerium oder in die Staatskanzlei verbunden werden möchten.
Text: Anna Schmid | Fotos: Rolf Poss
12.07.2010

Natürlich gebe es hin und wieder auch einmal Anrufer, die sich im Ton vergreifen, sagt ihre Chefin Eva-Maria Engl. Manche Themen, wie zum Beispiel die Debatte über den Nichtraucherschutz, regten viele Menschen sehr auf. Über unhöfliche Anrufer versucht sie sich gar nicht erst zu ärgern: „Wenn ich es nicht schaffen würde, immer freundlich zu bleiben, hätte ich auch den falschen Job. Schließlich sind wir die erste Anlaufstelle für die höchsten Ämter in Bayern.“
Nicht immer sind die Abgeordneten in ihren Büros zu erreichen. Aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonzentrale – dazu gehören noch Herta Bendel, Elisabeth Sharman und Rolf Moeschler – haben alle wichtigen Nummern parat und wissen, welcher Abgeordnete gerade in welchem Ausschuss zu erreichen ist. Auf einer Liste sehen sie, welche Sitzungen am Tag stattfinden. Gegebenenfalls verbinden sie die Anrufer dann in eine der Telefonkabinen außerhalb des Sitzungssaals, in der ein Mitarbeiter das Gespräch entgegennimmt und an den Abgeordneten weitergibt.
Eva-Maria Engl fragt die Anrufer nicht, worum es geht: „Sonst bringen wir überhaupt keine Gespräche weiter“, sagt sie. Trotzdem gibt es hin und wieder Leute, die nicht warten, bis sie den Politikern ihre Sorgen mitteilen können. „Manchmal rufen Leute an, und schütten mir gleich ihr Herz aus. Manche weinen sogar.“ So gut sie kann, versucht die Telefonistin dann die Anrufer zu beruhigen und ihnen weiterzuhelfen. Seit 18 Jahren arbeitet die gelernte Drogistin in der Telefonzentrale und fast immer weiß sie, wer für was zuständig ist. „Viele sind schon beruhigt, wenn sie wissen, dass sie einen Ansprechpartner haben“, sagt sie.
Ein Fall ist Eva-Maria Engl ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Eine alte Dame wandte sich an den Landtag, weil die Miete ihrer Wohnung so sehr gestiegen war, dass sie sie von ihrer knappen Rente nicht mehr bezahlen konnte. Sie landete zunächst bei Eva-Maria Engl in der Telefonzentrale, die sich ihre Sorgen anhörte. „Sie hat mir danach gesagt, wie gut ihr das getan hat“, erzählt sie. Aus Dankbarkeit brachte die Frau später ein kleines Päckchen mit fünf Kirschwasserpralinen und einem kleinen Kärtchen für sie zur Pforte: „Ich wusste, die Dame hat nicht viel Geld. Über diese nette Geste habe ich mich sehr gefreut.“


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