Eine bessere Anbindung der Stadt München und anderer bayerischer Regionen an den Münchner Flughafen sowie eine Entlastung des öffentlichen Nahverkehrs in der Landeshauptstadt – das sind die Ziele des Konzepts „Bahnknoten München“. Stadtrat und Kabinett haben dem umfangreichen Infrastrukturprojekt bereits zugestimmt, in der Plenarsitzung vom 14. April gab auch der Landtag dazu „grünes Licht".
Text: Eva Spessa | Fotos: dpa16.04.2010
Der Münchner Nahverkehr soll entlastet werden: Mit rund 800.000 Fahrgästen täglich hat das System mittlerweile seine Kapazitätsgrenze erreicht, eine weiter Steigerung ist prognostiziert. Außerdem soll der Flughafen deutlich schneller und besser erreichbar werden. Das aktuelle Gesamtkonzept „Bahnknoten München“ beinhaltet den Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke, eine Express-S-Bahn zum Flughafen sowie den sogenannten Erdinger Ringschluss, der eine direkte Anbindung Nord- und Ostbayerns an den Flughafen ermöglichen soll. Weitere Maßnahmen wie der Ausbau des Pasinger Bahnhofs und der Strecke Dachau – Altomünster sowie eine Verlängerung der S7 bis Geretsried sollen ebenfalls der besseren Anbindung des Umlands und benachbarter Regionen dienen. Bis zu den Olympischen Spielen 2018, um deren Austragung sich München bewirbt, soll der Löwenanteil der Maßnahmen abgeschlossen sein, die Kosten sollen sich auf rund drei Milliarden Euro belaufen.
Wirtschaftsminister Zeil: „Das größte und wichtigste Schienenprojekt des Freistaats über die nächten Jahre hinaus“
In einer Regierungserklärung hat Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) dem Landtag in der Plenarsitzung vom 14. April die Pläne zum „Bahnknoten München“ vorgestellt. Das „größte und wichtigste Schienenprojekt des Freistaats über die nächsten Jahre hinaus“ sei nicht nur für München, sondern für ganz Bayern von größter Bedeutung. Die Probleme seien augenscheinlich: unter anderem die Störanfälligkeit des S-Bahn-Netzes, Streckenüberlastungen, zu lange Fahrzeiten, eine mangelhafte Anbindung des Flughafens an die Münchner Innenstadt und eine völlig unzureichende Erreichbarkeit aus vielen Landesteilen könnten mithilfe des Gesamtkonzepts „Bahnknoten München“ behoben werden. Für die Finanzierung könne man mit dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes rechnen, und darüber hinaus angesichts der Olympiabewerbung ein Sonderbudget beantragen. Es sei bereits viel Zeit verloren. „Wir müssen jetzt handeln“, forderte Zeil.
Der SPD-Abgeordnete Paul Wengert räumte ein, dass das Konzept Mittel binde. Dennoch sei es notwendig, und insbesondere die zweite S-Bahn-Stammstrecke alternativlos. „An diesem Kurs werden wir festhalten und das Signal auf Grün stellen“, so Wengert. Die CSU, so der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses Erwin Huber, unterstütze das Projekt nach intensiver Prüfung und Diskussion einstimmig. Die Finanzierung könne nur „über einen harten und steinigen Weg geschultert werden“, andere Schienenprojekte in Bayern, die bereits für eine Förderung durch das GVFG angemeldet seien, würden davon jedoch nicht berührt. Der FDP-Abgeordnete Franz Xaver Kirschner betonte noch einmal, dass man bei der Umsetzung des Projekts keine weitere Zeit verlieren dürfe, auch weil man davon ausgehen könne, dass die GVFG-Mittel nach 2019 reduziert werden. Die Freien Wähler seien mit Teilen des Konzepts durchaus einverstanden, erklärte der Abgeordnete Michael Piazolo, die zweite Stammstrecke aber sei überflüssig. Die Kosten für den Südring als Alternative, so könne man vermuten, seien von den Gutachtern „künstlich hochgerechnet“ worden. Die Grünen, so der Abgeordnete Martin Runge, sehen „den Nutzen der vorgeschlagenen Maßnahmen in keinem akzeptablen Verhältnis zu den Kosten“. Die Mittel, die das Projekt verschlinge, würden bei dringend notwendigen Schienenprojekten in ganz Bayern fehlen. Eine Ertüchtigung des Bahnknotens München halte auch er für notwendig, er fordere die Staatsregierung jedoch auf, finanzierbare und realisierbare Wege zu suchen.