Überblick
Chronik
Am Abend des 9. November öffneten sich die ersten Grenztore in Berlin, in der Nacht zum 10. November gingen mit allen anderen innerdeutschen Schlagbäumen auch die an den bayerisch-sächsischen und bayerisch-thüringischen Grenzübergängen hoch. Über Nacht war alles anders, der Mauerfall hatte die Weltordnung aus den Angeln gehoben. Schon Monate zuvor war der „Eiserne Vorhang“ löchrig geworden, das DDR-Regime zeigte Auflösungserscheinungen – ein Rückblick.
Text: Eva Spessa | Fotos: dpa
02.11.2009
Mai 1989Der ungarische Ministerpräsident Miklós Németh hat die Instandhaltung der veralteten Grenzanlagen an der österreichischen Grenze aus dem Staatshaushalt gestrichen. Die Sparmaßnahme führt noch nicht zu einer Grenzöffnung, aber zum Abbau der Anlagen ab dem 2. Mai.
27. Juni 1989
Gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock durchschneidet der ungarische Außenminister Gyula Horn in einer symbolischen Geste bei Sopron den Stacheldrahtzaun, der hier den Eisernen Vorhang bildet.
19. August 1989
Im Rahmen des Paneuropäische Picknicks, einer Friedensdemonstration an der österreichisch-ungarischen Grenze, wird für drei Stunden ein Grenztor in der Nähe von Sopron geöffnet. Hunderte DDR-Bürger nutzen den Moment zur Flucht in den Westen.
4. September 1989
In Leipzig findet nach einem Friedensgebet in der Nikolaikirche die erste Montagsdemonstration statt. Die rund 1.200 Demonstranten fordern Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit.
11. September 1989
In der Nacht zum 11. September 1989 öffnet Ungarn die bisher immer noch bewachte Grenze zu Österreich: DDR-Bürger dürfen nun ungehindert von Ungarn nach Österreich ausreisen.
30. September 1989
Der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, verkündet auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag, dass die Botschaftsflüchtlinge, die in den Wochen zuvor zu tausenden die Botschaften überrannt hatten, in den Westen ausreisen dürfen. In den nächsten Tagen wird die Ausreise von weit über zehntausend DDR-Bürgern in Sonderzügen durch die DDR via Hof organisiert.
4. Oktober 1989
Im Umfeld dieser Ausreisen kommt es am Dresdner Hauptbahnhof zu schweren Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Bürgern und Sicherheitskräften.
7. Oktober 1989
In Berlin feiert die DDR-Führung den 40. Jahrestag der Gründung der DDR. Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker spricht von der Gewissheit, dass dem Sozialismus die Zukunft gehöre, der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow mahnt zu Reformen. Protestdemonstrationen am Rande der Feierlichkeiten werden mit Gewalt niedergeschlagen.
16. Oktober 1989
Erstmals übersteigt die Anzahl der Teilnehmer an der Leipziger Montagsdemonstration die 100.000. Die Leipziger SED ignoriert den Befehl, schonungslos gegen die Demonstranten vorzugehen. Auch die sowjetische Führung verweigert die Unterstützung einer militärischen Niederschlagung.
17. Oktober 1989
Erich Honecker tritt von allen Ämtern zurück.
6. November 1989
Ein halbe Million Menschen demonstrieren in Leipzig, 60.000 in Halle, 50.000 in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt), 25.000 in Schwerin und 10.000 in Cottbus. Zwei Tage zuvor hatten sich eine halbe Million Menschen in Berlin auf dem Alexanderplatz versammelt.
9. November 1989
Gegen 19 Uhr fragt ein Journalist in einer Pressekonferenz in Ostberlin nach der Neufassung des Reisegesetzes. Politbüromitglied Günter Schabowski bestätigt die sofortige allgemeine Reisefreiheit für DDR-Bürger – Visa sollten umstandslos genehmigt werden. Noch in derselben Nacht drängen tausende an die Grenzübergänge, die von den Sicherheitskräften – zu diesem Zeitpunkt noch ohne Befehl – geöffnet werden: Die Mauer fällt.


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