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"Der Landtag sind wir!"

Planspiel: Schüler als "Abgeordnete"

„Der Landtag gehört heute Ihnen“ – so begrüßte Landtagspräsidentin Barbara Stamm etwa 150 Schülerinnen und Schüler aus Augsburg, aus Stadt und Landkreis Forchheim, aus Landsberg/Lech, aus München und aus Straubing. Stamm machte anschließend deutlich, was die Jugendlichen an diesem Tag im Maximilianeum erwartet: „Wenn Sie gleich im Anschluss in die Rolle von Abgeordneten schlüpfen, werden Sie bald feststellen, dass Politik ähnliche Kompetenzen verlangt wie das Leben insgesamt, zum Beispiel Kompromissbereitschaft.“
Text: Michael Schmitt | Fotos: Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)
 
Vor der Plenarsitzung galt es, zunächst fraktionsintern die Positionen zu erarbeiten. - Copyright: Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) - Foto: Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)
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Vor der Plenarsitzung galt es, zunächst fraktionsintern die Positionen zu erarbeiten.
© Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)
Tatsächlich konnten die jungen Leute in der mehrstündigen Parlamentssimulation diese und weitere Erfahrungen sammeln, nachdem sie von einer Minute auf die andere „Parlamentarier“ geworden waren: Zunächst mussten in „Fraktionssitzungen“ Ämter besetzt und Positionen zu den Fragen „Schulreformen“ und „Videoüberwachung“ geklärt werden, die an diesem Tag auf der Agenda standen. Kurze Zeit später hatten „Herr und Frau Abgeordnete“ dann die fraktionsintern hart erarbeiteten Positionen in den „Ausschüssen“ gegenüber den „Kolleginnen und Kollegen“ aus den anderen „Fraktionen“ argumentativ zu vertreten. Nicht nur die von der Landtagspräsidentin eingangs betonte Kompromissbereitschaft war da gefordert, sondern gleichermaßen auch Meinungsstärke, Redegewandtheit, Sachkompetenz und, und,  und … Nicht umsonst zog ein Jugendlicher am Ende des Tages das Fazit: „Man lernt unheimlich viel Neues über die Arbeit im Landtag, aber eigentlich ganz automatisch, bei der Arbeit sozusagen.“

Höhepunkt des Planspiels war die abschließende „Zweite Lesung“, in der die Beratungen noch einmal in eine große Debatte und dann in die Abstimmungen mündeten. Um Kriminalität vorzubeugen, beschlossen die jungen „Parlamentarier“, an besonders gefahrenträchtigen öffentlichen Plätzen Videokameras einzusetzen. Dabei wurden aber auch die Probleme des Daten- und Persönlichkeitsschutzes bedacht: So legten sie etwa fest, dass die Bürgerinnen und Bürger überall dort auch informiert werden müssten, wo Kameras installiert werden.

Erfahrungen mit dem Mehrheitsprinzip
In der Bildungsdebatte machten die jugendlichen Akteure ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Mehrheitsprinzip: Die „Regierungsfraktionen“ ließen sich zwar auf eine um ein Jahr verlängerte Grundschulzeit ein, lehnten aber weitergehende Reformvorschläge der „Opposition“ ab. „Natürlich ist das erst ’mal frustrierend“, so eine Teilnehmerin, „aber ich sehe natürlich auch ein, dass das Mehrheitsprinzip ein sehr demokratisches, gerechtes Verfahren ist“.

Nach Abschluss der Parlamentssimulation konnten die Jugendlichen, nun wieder als Schülerinnen und Schüler, mit „richtigen“ Abgeordneten über ihre Erfahrungen während der zurückliegenden Stunden diskutieren: Die Abgeordneten Josef Zellmeier (CSU), Adelheid Rupp (SPD), Thorsten Glauber (FW), Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) und  Julika Sandt (FDP) standen den jungen „Kollegen“ eine Stunde lang Rede und Antwort.

Eine Teilnehmerin trat mit einer bemerkenswerten Erkenntnis den Heimweg an: „Mir ist bewusst geworden, dass die Politik ständig ganz verschiedene Wünsche und Interessen unter einen Hut kriegen muss. Schließlich sehen wir alle ja oft nur unseren eigenen kleinen Bereich der Wirklichkeit.“

„Ausschuss, Fraktion und solche Begriffe – jetzt weiß ich wirklich, was das ist"
Die „Chefredakteurin“ des „Bayerischen Tagblatts“ – das Spiel beinhaltete auch, dass einige Schülerinnen und Schüler als „Landtagsjournalisten“ darüber berichteten – sah für sich noch konkretere Lerneffekte: „Ausschuss, Fraktion und solche Begriffe – jetzt weiß ich wirklich, was das ist. Die Plenardebatte ist im Parlament meist zwar der Höhepunkt, aber nicht immer der wichtigste Ort für die Entscheidungen.“

Der Bayerische Landtag bietet das Planspiel seit 2006 bayerischen Schulen an. In der Regel wird es (derzeit etwa 70 Mal im Jahr) an den Schulen selbst durchgeführt. Entwickelt wurde es im Auftrag des Landtags vom „Centrum für angewandte Politikforschung“ (CAP) an der LMU München.

 

 




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